Roberts Kolumne

Roberts Kolumne ist eine Kolumne im klassischen Sinne, mit der Möglichkeit, „Leserbriefe“ zu hinterlassen: Definitiv subjektiv, sanft satirisch und gerne auch mal populistisch.

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Zukunft der Musik

Eingestellt am 16. Oktober 2006 um 12:10 Uhr » Gesellschaft Forschung und Wissenschaft Medien und Informationen

Vor ein paar Wochen fragte ich hier, was Musik sei. Der Spiegel und die TU Darmstadt wollen nun wissen, wie die Zukunft der Musik in den Augen der Hörer aussieht und haben dazu eine Umfrage gestartet, die allerdings meiner Meinung zu viel Wert auf kommerzielle Musik legt.

Die Umfrage

Die Umfrage zur Zukunft der Musik wird laut Spiegel vom Fachgebiet Information Systems an der TU Darmstadt durchgeführt. Wie es sich für vernünftige Statistiker gehört, werden die Daten anonym erhoben, die einzigen persönlichen Daten, die von Interesse sind, sind Alter und Geschlecht. Es ist zwar löblich, dass die Webseite ohne Cookies auskommt, allerdings wage ich zu bezweifeln, dass die Umfrage ohne JavaScript funktioniert.

Interessant sind die Fragestellungen, zu denen man befragt wird: Neben den Hörgewohnheiten wird auch die Präferenz bestimmter Medientypen (CD, Vinyl, …) und besonders bei digitaler Musik Medienformaten befragt. So bekommt hier neben der Qualität der Dateien auch das Thema DRM, digitales Restriktionsmanagement, ausgiebig zur Sprache. Nachdem ich meine Meinungen dazu geäußert habe, interessiert mich jetzt schon einmal, wie das Umfrageergebnis aussieht, wenn man den Fragebogen Managern der Musikindustrie vorlegt und wie weit deren Antworten mit denen der Hörer divergieren.

Kleine Kritik

Auch wenn es sehr löblich ist, dass sich zwei renommierte Institutionen wie der Spiegel und die TU Darmstadt der Zukunft der Musik annehmen, so ist doch zu kritisieren, dass nur nach dem aktiven Käuferverhalten gefragt wird – und hier auch nur unvollständig: Boykott der Musikindustrie (passives Verhalten) sowie Hörerwanderung hin zu freier Musik werden überhaupt nicht thematisiert, obwohl ich darin einen gewichtigen Grund für den stagnierenden Tonträgerabsatz sehe – neben der allgemein schwachen Binnennachfrage. Die Musikindustrie muss sich fragen lassen, ob sie wirklich so blauäugig ist, zu glauben, dass der Musikliebhaber mit Kopierschutz verstümmelte CDs bereitwillig kauft und um dann anschließend als ehrlicher Käufer kriminalisiert zu werden, wobei das Geld für diese Kampagnen aus den Einnahmen des CD-Verkaufs stammt.

Ich habe festgestellt, dass es hörenswerte Alternativen mit besserer (inhaltlicher und musikalischer) Qualität gibt, bei denen man als Musikliebhaber nicht über den Tisch gezogen wird. Gerade freie Musik stellt das ganze bisherige Geschäftsmodell der Musikindustrie in Frage: Die Künstler veröffentlichen ihre Musik unter bestimmten Konditionen, die der Käufer bei der erlaubten Weitergabe auch den anderen einräumen muss. Dazu kommt, dass diese Musik für den privaten, nicht-kommerziellen Gebrauch häufig kostenlos ist. Trotzdem kaufe ich mir auch weiterhin gute kommerzielle Musik – allein schon deshalb, um „meinem Plattenladen“ die Treue zu halten.


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